Zitat und Einführung


"Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen."
Friedrich Nietzsche

Freitag, 18. April 2014

MARKUS ZUSAK: Die Bücherdiebin [Hörbuch-Rezension]

Die Bücherdiebin ist schon die Nummer 9 für die eine meiner Lese-Challenges und immerhin schon die No. 6  für die Hörbuch-Challenge...   :-)


(Bildquelle: Verlagsbild Random House Audio)

Genre:

Roman / Drama

Kurzinfo:

"Sie hielt immer noch das Buch in der Hand. Verzweifelt klammerte sie sich an die Worte, die ihr das Leben gerettet hatten.

1939, Nazideutschland. Der Tod hat viel zu tun und eine Schwäche für Liesel Meminger.

Am Grab ihres kleinen Bruders stiehlt Liesel ihr erstes Buch. Mit dem „Handbuch für Toten-gräber“ lernt sie lesen und stiehlt fortan Bücher, überall, wo sie zu finden sind: aus dem Schnee, den Flammen der Nazis und der Bibliothek des Bürgermeisters. Eine tiefe Liebe zu Büchern und Worten ist geweckt, die sie auch nicht verlässt, als die Welt um sie herum in Schutt und Asche versinkt. Liesel sieht die Juden nach Dachau ziehen, sie erlebt die Bombennächte über München – und sie überlebt, weil der Tod sie in sein Herz geschlossen hat.

Tragisch und witzig, wütend und zutiefst lebensbejahend – vom dunkelsten und doch brillantesten aller Erzähler: dem Tod."
(Quelle: Verlagstext Random House Audio)

Gekürzte Lesung
Sprecher: Boris Aljinovic
Laufzeit: 7h 39min
Erschienen bei Random House Audio
Erhältlich als:
- Gebundene Ausgabe
- Taschenbuch
- Hörbuch - gekürzte Lesung (CD & Download)
- eBook

Über den Autor:

"Markus Zusak wurde 1975 geboren. Zu den mittlerweile fünf veröffentlichten Romanen des Autors gehören »Der Joker« und der weltweite Bestseller »Die Bücherdiebin«, der in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurde. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Sydney."
(Quelle: Autoren-Info Random House)

Weitere Infos über den Autor finden sich auf seiner Homepage des Random House Verlags.

Über den Sprecher:

"Boris Aljinovic, bekannt als Felix Stark aus dem Berliner „Tatort“, ist neben zahlreichen Rollen im Theater, Film u. Fernsehen (z.B. „7 Zwerge”) auch ein erfolgreicher Hörbuchsprecher. Er hat u.a. sieben Terry Pratchett-Romane sowie „Die Bücherdiebin” von Markus Zusak gelesen."
(Quelle: Sprecher-Info Random House)

Hör- & Leseprobe:

Zur Hörprobe bei audible.de geht es HIER.
Zur Hörprobe bei Random House Audio geht es HIER.
Die Leseprobe des Piper Verlags gibt es HIER

Mein Fazit:

Bewegend, zutiefst anrührend, schwermütig und doch so voller Leichtigkeit und Lebensfreude...
Es fällt mir nicht leicht, eine wirklich aussagekräftige Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Denn es ist nicht einfach, die richtigen Worte für Markus Zusaks Erzählung um Liesel Memminger zu finden. 
Fest steht: ein Buch, das mir sehr gut gefallen und mich zutiefst berührt hat. Geschichtsunterricht einmal anders könnte man vielleicht sagen? Nein, ich glaube, der Begriff "Geschichtsunterricht" wäre vielleicht doch ein Stück zu hoch gegriffen. Es handelt sich bei Zusaks Erzählung keinesfalls um ein Sachbuch oder eine Doku. Es ist ganz einfach eine Geschichte. Und doch erfahren wir aus Zusaks Erzählung so viel aus der damaligen Zeit. 

Natürlich habe ich mir bei der Lektüre schnell die Frage gestellt, ob es sich bei Markus Zusaks Bücherdiebin um die Erzählung einer wahren Begebenheit handelt. In einem Interview (abgedruckt am Ende der Taschenbuchausgabe) berichtet der Autor, dass wohl der größte Teil der Geschichte reine Fiktion ist. Es gebe bei der Figur der Liesel aber auch Parallelen zu Zusaks Mutter und die Erzählungen seiner Eltern haben viel zur Entstehung des Buches beigetragen. So tragen die Beschreibungen der Umstände und des Lebens in Nazideutschland zu Kriegszeiten viel von den Erinnerungen von Zusaks Eltern in sich. Heißt es doch auch in der Autoren-Info im Buchumschlag: "»Die Bücherdiebin« [...], eine Reminiszenz an die Geschichten seiner Eltern aus München und Wien während des Zweiten Weltkriegs, eine Erinnerung an die Bombennächte, wie der Himmel in Flammen stand - und die Erinnerung an ein paar Kinder, die bestraft wurden, weil sie ein Stück Brot mit den Juden teilten, die über eine Dorfstraße irgendwo in Süddeutschland nach Dachau getrieben wurden."
Welche Teile der Geschichte Fiktion und welche tatsächlich Teil der Wahrheit sind, werden wir wohl nicht erfahren. Sicher können wir aber davon ausgehen, dass der größte Teil von Zusaks Erzählung ein hohes Maß an Authentizität aufweist.

Dabei erzählt Markus Zusak eine - im wahrsten Sinne - des Wortes "todernste" Geschichte, aus einer tragischen Zeit, die so viel Leid, Trauer und Elend über die Menschen gebracht hat. Und doch tut er dies mit einer Leichtigkeit, die man von einer Geschichte über das Leben in Nazideutschland, den Krieg und die Judenvernichtung, wohl kaum erwartet hätte. Denn im Mittelpunkt der Erzählung steht Liesel. So ist diese Geschichte bei all ihrer Traurigkeit auch voller Witz und Lebensfreude, dabei aber immer gefühlvoll und niemals respektlos. Mit Liesel Memminger hat Zusak eine Figur geschaffen, die trotz all der schweren Momente in ihrem jungen Leben nie den Mut verliert und tief im Innersten immer ein Lachen mit sich zu tragen scheint. Und nicht zuletzt liegt es vielleicht auch an der ungewöhnlichen Figur des Erzählers, dem Tod selbst.

Der Tod in seiner Rolle des Erzählers ist sicher nicht alltäglich. Umso mehr eine faszinierende Idee und von Markus Zusak mit viel Geschick umgesetzt. Denn der Erzähler Tod ist keinesfalls ein herzloser Tyrann, den es zu fürchten gilt. Zusak zeichnet den Tod als Jemanden, dem seine Aufgabe zutiefst zuwider ist. Dabei erhält der Tod fast menschliche Züge, wirkt auf eine ganz eigene Art fast sympathisch. Der Leser bekommt beinahe Mitleid mit ihm, während er durch die Handlung streift, in einer Zeit, in der er "mehr zu tun" hat, als wohl zu kaum einer anderen Zeit in der Menschheitsgeschichte. Und trotz seiner traurigen und - wie er selbst schildert - oft schwierigen Aufgabe, beweist der Tod in seiner Rolle als Erzähler auch immer wieder eine gehörige Portion Humor - wenn auch oft eher von "schwarzer Natur". Doch auch der Tod bleibt dabei - wie Zusak in seinen Erzählungen und Schilderungen selbst - stets respektvoll und niemals grausam.

Noch ein paar Worte zur Hörbuch-Fassung. Hier bin ich geteilter Meinung... 
Einerseits bin ich einfach nur begeistert. Denn ist Zusaks Geschichte ohnehin schon lesenswert, setzt Boris Aljinowic mit seiner grandiosen Lesung dem Ganzen quasi "das Krönchen" auf. Aljinovic liest mit unglaublich viel Gefühl, fängt die von Zusak geschaffene Stimmung ein und haucht ihr Leben ein, wie es vermutlich niemand jemals besser machen könnte. Dabei trifft er immer genau den richtigen Ton, lässt die Bücherdiebin im Kopf der Zuhörer wahrhaft lebendig und leibhaftig werden.
Ein großes Manko hingegen: Es gibt das Hörbuch leider ausschließlich in der gekürzten Fassung. Gekürzte Hörbücher sind mir eigentlich zuwider und kommen mir darum so gut wie nie ins Haus. Da es keine ungekürzte Fassung gab, ich aber in einigen Rezensionen von der schlichtweg genialen Lesung Aljinovics gelesen habe, musste ich mich entscheiden.
Nun, ich habe mich (ausnahmsweise) für die gekürzte Hörbuchvariante entschieden. Ich habe es nicht wirklich bereut, denn die tatsächlich großartige Interpretation des Sprechers hat mich wohl mehr als "entschädigt". Dennoch, zu guter Letzt bleibt immer ein wenig das Gefühl, vielleicht etwas verpasst zu haben. Zudem ist die Paper-Ausgabe wunderbar aufgemacht, mit immer wieder abgesetzt eingeschobenen Absätzen und verschiedenen "Zeichnungen", die in der Geschichte eine Rolle spielen. Dies geht einem natürlich im Hörbuch mehr oder weniger verloren. Darum gibt es letzten Endes von mir auch nicht die vollen fünf Sterne.

Trotzdem würde ich das Hörbuch jederzeit wieder hören. Doch habe ich auch die Paper-Ausgabe noch einmal auf meiner "To Do-Liste" für die nicht allzu ferne Zukunft gesetzt. Denn »Die Bücherdiebin« ist in meinen Augen eines der wenigen Bücher, die man auch zweimal oder vielleicht sogar öfter lesen kann.
Und so kann ich auch euch nur sagen: Ihr müsst euch entscheiden. Aber eins ist gewiss. Wer das Hörbuch nicht kennt, hat ein unglaubliches Hörerlebnis verpasst!

FAZIT:
Gefühlvoll... Eingängig... Berührend... Traurig... Humorvoll... Tragisch... Voller Lebensfreude...
Kurz gesagt: Einfach lesenswert!
*4½ Sterne*


Kommentare:

  1. Ohja. Lesenswert auf alle Fälle ;)
    Das Buch war/ist mein absolutes Highlight in diesem Jahr. Hat sogar die goldene TARDIS erhalten (wenn 5 von 5 zu wenig sind ;) )

    Liebe grüße Sasija aus der TARDIS :D

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    1. Hey Sasija,
      freut mich, dass du vorbeigeschaut hast.
      Ja, das Buch war echt toll. Und hast du auch den Film gesehen? Ich fand auch die Verfilmung wirklich gut. Buchverfilmungen sind ja immer so eine Sache. Aber in diesem Fall bin ich nicht enttäuscht worden. Das Buch wurde wirklich gut umgesetzt im Film.

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      Also, vielleicht bis bald.
      Liebe Grüße, Thomas!

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