Zitat und Einführung


"Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen."
Friedrich Nietzsche

Dienstag, 26. Februar 2013

ROBIN COOK: Virus [Rezension]


Nächste Etappe....
Mit "Virus" ist nun bereits die zweite Aufgabe für beide meiner "Lese-Challenges" erfüllt.....   :-)



(Bildquelle: Eigenes Foto)

Genre:

Thriller

Kurzbeschreibung:

"In den USA häufen sich mysteriöse Todesfälle, die Rede ist von einem aggressiven Virus. Der heimtückische Erreger lässt sich durch nichts aufhalten, er scheint gegen alle Mittel resistent. 
Dr. Marissa Blumenthal, Mitarbeiterin im Seuchenkontrollzentrum, wird mit der Erforschung des Falles betraut und sieht sich in Sekundenschnelle in der Verantwortung für die Sicherheit Amerikas. Kann Marissa die Welt vor der alles vernichtenden Seuche retten? Gibt es Gegenspieler, die den Kampf um Leben und Tod zu stören versuchen?
Ein Wettlauf ums Überleben"   (Quelle: Klappentext)

Weltbild Taschenbuch (genehmigte. Lizenzausgabe), 366 Seiten
(Im Handel vergriffen, nur noch gebraucht erhältlich.)


Über den Autor:

"Robin Cook hat lange Jahre in der medizinischen Forschung und als HNO-Arzt gearbeitet. Inzwischen widmet er sich ganz dem Schreiben seiner Bestseller, von denen mehrere für das Fernsehen verfilmt wurden. 
Robin Cook sagt von sich, dass er die Leser mit seinen Medizin-Thrillern einerseits unterhalten will, andererseits möchte er auf die Gefahren aufmerksam machen, die die medizinische Forschung, aber auch die Praxis täglich mit sich bringen. Er lebt heute als freier Schriftsteller mit seiner Frau in Florida."
(Quelle: Autoren-Info Verlag blanvalet/Random House)

Mein Fazit:

Kurz gesagt?!?  Wow....!!!

Ein durch und durch gelungenes und vor allem extrem spannendes Buch. Okay, ich gebe zu, ich bin auch ein Fan von Viren- oder Gen-Technik-Thrillern. Robin Cooks "Virus" ist, wie der Name schon sagt, Ersteres. 

Ich kenne schon einige Bücher von Robin Cook und wie in den meisten seiner Bücher, fackelt der Autor nicht lange. Es geht von Anfang an gleich richtig los. In einem etwas längeren 13-seitigem Prolog führt er den Leser zunächst einmal zurück in die Vergangenheit und zeigt ihm, man könnte sagen schnell und effektiv, das ganze Ausmaß und das Grauen, dass hinter dem Virus steckt. 
So eingeführt, bringt er den Leser zurück in die Gegenwart. Na ja, fast.... für den heutigen Leser ist es nicht mehr so ganz gegenwärtig, denn es handelt sich um ein älteres Werk Cooks von 1987. Sagen wir also Cook bringt den Leser zurück in die "damalige Gegenwart" (was dem Buch aber keinen Abbruch tut, doch dazu ein bisschen weiter unten noch ein paar Sätze mehr). In dieser Gegenwart also wieder angekommen, nimmt sich der Autor dann einen Moment Zeit seine Protagonisten einzuführen. Aber nicht zu lang und schon geht es schnell wieder zur Sache. 

Kaum geht es so richtig wieder los, wird es auch schnell wieder spannend. Und auch hier hat sich der Autor geschickt einen kleinen "Griff in die Trickkiste" zu Nutze gemacht. Denn es bleibt nicht bei dieser "einen Art von Spannung".
Wie der Klappentext vermuten lässt, ist der Virus nicht der einzige böse Gegenspieler. Ich will nicht zu viel verraten, doch vielleicht so viel. Neben einer ziemlich üblen, unsichtbaren aber dennoch nicht weniger mächtigen und vor allem tödlichen Krankheit, sind im Hintergrund eben auch noch andere, wesentlich weniger subtile Mächte am Werk. 
Und so entwickelt sich in Robin Cooks "Virus" eine gekonntes Wechselspiel aus einer oft rasanten, vielleicht eher altbekannten, verbrecherischen "Gangster-Spannung" und einer viel subtileren, schleichenden Spannung, die dem Leser eben wie ein solch unsichtbarer Killer-Virus unter die Haut kriecht.

Der Schreibstil des Autors ist eingängig und hält den Leser in Atem. Das Buch weißt darum auch keinerlei Längen auf. Als ein kleines Manko ist vielleicht anzumerken, dass der gewiefte Leser schon bald einen Verdacht hat, wer mit zu den "Bösen" gehört. Doch da sich dies zwar vermuten ließ, aber bis kurz vor Schluss eben doch nicht so ganz sicher war, hat dies mein Lesevergnügen nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil, irgendwann wurde es spannend, weil ich natürlich wissen wollte, ob ich mit meiner Vermutung richtig lag.

Nun noch ein paar Worte zum Alter des Buches. Das mag der ein oder andere Zwiegespalten sehen. In meinen Augen hatte es aber einen gewissen Reiz. Denn das Buch ist wie bereits oben erwähnt, schon 1987 entstanden. Soll heißen, vor den Zeiten von Handys, Internet, Google und Co.! Auf den modernen Leser mag das Buch darum stellenweise etwas altbacken wirken. Kein Mega-Hightech, kein Ausspionieren über Webcams, keine Videotelefonie zwischen den einzelnen Akteuren. Dafür "gute alte Handarbeit", Telefonate vom Münzfernsprecher, Datenrecherche per Mikrofiche (Wer von euch weiß noch, was das ist???) etc.. Immer wieder ertappte ich mich bei Gedanken wie: `Mein Gott, warum ruft sie ihn denn nicht einfach übers Handy an?!?` Nur um dann recht schnell zu merken: `Ouups... ach ja, da war doch was....`.
Dieser kleine Schritt zurück in der Zeit machte das Buch auch interessant. Gut vielleicht nicht unbedingt für Freund von High-Tech-Thrillern, aber das muss ja nicht immer sein.

Alles in allem also ein wirklich gelungenes Buch. Und auch wenn es im Handel so nicht mehr erhältlich ist, gibt es bei den einschlägigen Online-Händlern (ja, wir sind eben doch wieder zurück im Jahr 2013 *smile*) genug gebrauchte Exemplare zu ergattern. Ich kann nur jedem ein 3-2-1-Schnäppchen oder ach-ihr-wisst-schon-wo-noch empfehlen. Es lohnt sich!


FAZIT:
Ein tolles Buch, für alle Fans von Thrillern und spannender Literatur. 
Für Viren-Thriller-Liebhaber.... Ein echtes HIGHLIGHT!!!
*4½ Sterne*

Weitere Informationen:

Das Buch wurde übrigens auch verfilmt. 

Laut Wikipedia wurde das Buch 1995 zunächst unter dem Titel "Robin Cook´s Virus" als TV-Produktion verfilmt. Später wurde die Produktion umbenannt in "Formula for Death". Der deutsche Titel lautet "Der Killervirus - In deinen Adern fließt der Tod". In den Hauptrollen waren Nicollette Sheridan und William Devane zu sehen.

Nicht zu verwechseln übrigens mit dem ebenfalls 1995 erschienenen Film "Outbreak - Lautlose Killer". Eine Verwechslung liegt nahe, da der Originaltitel von Cooks "Virus" tatsächlich ebenfalls "Outbreak" lautet. Trotz des gleichen Erscheinungsjahres, der Namensgleichung und großen Ähnlichkeiten in der Handlung haben die beiden Filme jedoch nichts miteinander zu tun.

Dienstag, 19. Februar 2013

VINCENT KLIESCH: Die Reinheit des Todes [Hörbuch-Rezension]


Bildquelle: audible.de
(Ungekürzter Download exklusiv für audible-Abonnenten.)

Genre:

Thriller
     

Kurzbeschreibung:

»Ein Serienmörder treibt in Berlin sein Unwesen. Sein drittes Opfer, eine ältere Dame, wird in einem weißen Leinenhemd aufgebahrt auf ihrem Esstisch gefunden. Spuren gibt es keine, denn die Wohnung ist klinisch rein geputzt - ein Alptraum für jeden Ermittler. Das LKA Berlin steht vor einem Rätsel und die letzte Hoffnung, den "Putzteufel-Mörder" zu finden, ruhen auf Julius Kern. Schon einmal konnte er einen grausamen Massenmörder fassen. Doch Kern ist damals daran fast zerbrochen und beim aktuellen Fall führen alle Spuren scheinbar ins Leere. Während er nur langsam zu seiner alten Form zurückfindet, hat sein Gegner bereits das nächste Opfer im Visier und Kern muss erkennen, dass er den Mörder nur mit Hilfe des Mannes fassen kann, den er in seinem Leben nie mehr wiedersehen wollte...

"Die Reinheit des Todes" ist der erste Roman aus der Thriller-Reihe um den Ermittler Julius Kern.«
(Quelle: audible.de)

Ungekürzte Hörbuchfassung
Sprecher: Uve Teschner
Laufzeit: 08h 30min
Erschienen bei Audible GmbH
Auch erhältlich als Taschenbuch & eBook (Blanvalet Taschenbuch Verlag).

Über den Autor:

"Vincent Kliesch wurde in Berlin geboren. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Restaurantfachmann und arbeitete danach mehrere Jahre in der Gastronomie. Dabei entstand auch die Idee zu seinem ersten Thriller Die Reinheit des Todes, der auf Anhieb zu einem großen Erfolg wurde. Wenn Vincent Kliesch nicht schreibt, steht er als Moderator und Stand-Up-Comedian auf der Bühne. Der Filmpark Babelsberg, in dem er täglich das Publikum unterhält, sowie der legendäre Quatsch Comedy Club sind nur zwei Stationen seiner Laufbahn als Entertainer."    (Quelle: Blanvalet Verlag)

Mittlerweile gibt es mit 'Der Todeszauberer' und 'Der Prophet des Todes' zwei weitere Fälle für Julius Kern. 
Voraussichtlich im Juli 2013 wird Klieschs viertes Buch 'Bis in den Tod hinein' erscheinen. So wie es aussieht, wird hier allerdings ein anderer Kommissar ermitteln.

Über den Sprecher:

Uve Teschner ist professioneller Hörbuchsprecher und Erzähler. Darüber hinaus studierte er Musik und ist ausgebildet in Musik und Gesang.
Ausführliche Informationen finden sich auf seiner Homepage.

Hör- und Leseprobe:

Zur Hörprobe bei audible.de geht es HIER
Die Leseprobe im Blanvalet Taschenbuch Verlag: HIER 

Video-Trailer

Zum Hörbuch gibt es auch einen Video-Trailer bei audible.de.
HIER ansehen.

Mein Fazit:

Hmmmm.... Wie sag ich das jetzt?!? Ich fand´s unsäglich laaaaang! Obwohl´s laufzeitmäßig ja eigentlich ein Klacks hätte sein müssen.....
Okay, das meine erste (ziemlich unqualifizierte) Aussage zum endlich ausgehörten Buch. Schaut man sich die Bewertungen zum Buch bei Amazon an, wirkt mein Eindruck eigentlich umso unverständlicher. Durchschnittliche Bewertung 4 Sterne bei immerhin 121 Bewertungen. Die Hörer des Hörbuchs haben das Buch bei audible.de sogar mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4½ Sternen bedacht (bei sogar 131 Bewertungen).

Aber was soll ich sagen? Ich kann die Begeisterung, die um dieses Buch gemacht wird nicht teilen. MIR hat´s nicht gefallen!!! Ich glaube allein die Tatsache, dass ich über fünf Monate (!) gebraucht habe, um das Buch zu Ende zu hören, sagt mehr als genug...... 

Aber vielleicht noch mal etwas genauer....
Das Buch könnte eigentlich ein super Knaller sein, denn die Story an sich ist ja nicht schlecht. Da steckt durchaus Potential drin. Leider hat der Autor dieses - zumindest in meinen Augen - nicht auch nur im geringsten ausgeschöpft. Die Handlung ist zäh, zieht sich durch das Buch so dahin und will und will einfach nicht so richtig zünden. Zwei Handlungsstränge, einer aktuell, einer schon einige Jahre zurückliegend laufen immer wieder nebeneinander her, so richtig scheint sich das Ganze auch nicht wirklich zusammenfügen zu wollen. Dazu kommt die ein oder andere weitere Rückblende in eine noch viel früher gelegene Zeit, in die Kindheit eines der Protagonisten. Doch leider wird es auch dadurch nicht viel interessanter.
Am Ende werden die einzelnen Handlungsstränge dann mehr oder weniger schlüssig miteinander verwoben. Es wirkt ein wenig gekünstelt und ist für mich nur teilweise nachvollziehbar. Das mag möglicherweise aber auch daran liegen, dass ich (ganz gegen meine sonstigen Gewohnheiten) so lange für das Buch gebraucht und zwischendurch bestimmte Passagen schon gar nicht mehr so ganz erinnert habe. Ob es bei schnellerem Durchhören interessanter gewesen wäre....? Man vermag zu zweifeln, aber wer weiß....

Die einzelnen Figuren sind dafür hingegen gut aufgebaut. Zu gut, für meinen Geschmack, auch hier wiederum, denn die Beschreibung der einzelnen Protagonisten, der Versuch ihnen Tiefgang zu verleihen, wirkt an vielen Stellen langatmig. Die einzelnen Charaktere bekommen dadurch zwar jede Menge Tiefgang, meines Erachtens nach aber eben soviel, dass es das Buch mehr und mehr in die Länge zieht. Ich denke, der Grundsatz 'weniger ist manchmal mehr' hätte dem Buch in dieser Beziehung sicher nicht geschadet.

Der Sprecher macht seine Sache ebenfalls leidlich gut. Man kann nicht sagen, dass Uve Teschner das Buch schlecht eingelesen habe, doch an seine sonstigen Leistungen (ich kenne auch andere von ihm gesprochenen Lesungen) reicht er hier nicht heran. Über weite Strecken wirkt die Lesung monoton getragen, man merkt bei weitem nicht so viel von seiner stimmlichen Vielfalt, wie das bei anderen Büchern der Fall ist.

Zum guten Schluss bleibt mir also noch Punkte zu verteilen. Hier bin ich mit 2 Punkten sogar schon recht großzügig. Einen davon gibt es für die Story, aus der durchaus mehr hätte werden können, den zweiten für die zwar eher leidliche, aber dennoch "tapfere" Lesung von Uve Teschner.

FAZIT:
Man soll ja nie "nie" sagen, aber ich denke, das war wohl nicht nur mein erster sondern höchstwahrscheinlich auch mein letzter Kliesch.... 
Dafür immerhin noch ziemlich gut gemeinte

*2 Sterne*


Samstag, 16. Februar 2013

MICHEAL CORDY: Das Wahrheits-Serum [Rezension]


Startschuss....
Mit "Das Wahrheits-Serum" habe ich meine beiden "Lese-Challenges" eröffnet und somit hier nun die erste Aufgabe für die Challenges erfüllt.....   :-)


Club-Ausgabe (vergriffen)

Genre:

Thriller

Kurzbeschreibung:

"Professor Carlo Bacci gelingt eine sensationelle Entdeckung: Er findet eine Droge, die wahre Liebe erzeugen kann. Von dem Gedanken besessen, seine Erfindung der ganzen Welt zugänglich zu machen, sucht er einen Finanzier. Er entschließt sich für eine renommierte Privatbank in der Schweiz, die sich im Besitz der Familie Kappel befindet. Doch der Seniorchef der Bank, Helmut Kappel, hat ganz andere Pläne mit Baccis Erfindung: Er sieht die Chance, sich mit der Droge jeden Menschen gefügig machen zu können."   (Quelle: Klappentext)

BestBook Club Ausgabe (ungek. Lizenzausgabe), 415 Seiten
Erschienen bei RM Buch und Medien Vertrieb GmbH
Deutschsprachige Erstausgabe erschienen im Heyne Verlag
(Im Handel vergriffen, nur noch gebraucht erhältlich.)


Über den Autor:

"Michael Cordy war bis 1993 als Marketingleiter in einem englischen Konzern tätig, bis ihm mit „Das Nazareth-Gen“ auf Anhieb ein Bestseller gelang, der in über 25 Ländern erfolgreich war. Mit Mutation konnte er sich als einer der besten britischen Thrillerautoren etablieren. Michael Cordy lebt mit seiner Frau Jenny in London."
(Quelle: Autoren-Info Verlag)

Mein Fazit:

Das Thema ist interessant, die Kurzbeschreibung verspricht aber mehr, als das Buch letztendlich hergibt.  Insgesamt nicht schlecht, doch hätte man sicher mehr daraus machen können. Als ein Freund von Medizin- und Gen-Technik-Thrillern hätte ich mir von dem Buch etwas mehr erwartet. Trotzdem habe ich es mit Interesse gelesen.

Zunächst vielleicht ein paar Worte zum Titel. Der ist eher irreführend. Geht es um ein Serum? Definitiv ja. Woher sich allerdings der Titel "Wahrheits-Serum" ableitet, darauf habe ich auch am Ende des Buches keine Antwort gefunden. Der Autor wird sich etwas dabei gedacht haben, lautet schließlich auch der Titel der englischsprachigen Original-Ausgabe "True". Möglicherweise weil es bei dem Serum um die "wahre" Liebe geht. So wäre der Original-Titel nicht ganz so abwegig, der deutsche dafür dann aber umso "eckiger". Doch egal, ist der Titel auch irreführend gewählt, hat er im Endeffekt doch nicht wirklich einen Einfluss auf die Handlung der  Story. 

Die Story ist, wie eingangs schon erwähnt, wirklich interessanter Stoff, leider vom Autor aber  eher durchschnittlich umgesetzt. Das Buch ist keineswegs langweilig oder nicht lesenswert. Insgesamt liest es sich gut, könnte aber ein wenig mehr Tempo durchaus vertragen. 
Dabei beginnt das Buch sehr vielversprechend, mit einem äußerst rasanten Prolog, welcher innerhalb weniger Seiten gleich in einem schockierende Ende gipfelt. Auf nur wenigen Seiten ist der Leser sofort mittendrin, erwartet in den folgenden Kapiteln mehr von der schnell aufgebauten Spannung. Diese fällt jedoch leider ebenso schnell wieder ab. 
Nach dem mitreißenden Prolog wechselt der Autor Ort, Zeit und Personen. Er beginnt nun eher langsam seine Protagonisten vorzustellen und die einzelnen Figuren aufzubauen. Dabei wird es nicht langweilig, es geht "solide" voran, aber eben auch nicht mehr. Zwischendurch gewinnt die Handlung immer wieder an Spannung, welche sich aber eher zu immer wieder kurzen Gipfeln aufschwingt, um dann ebenso schnell auch wieder in den Durchschnittsbereich abzusinken. Erst auf den letzten etwa hundert Seiten nimmt das Buch so richtig Fahrt auf, bleibt dann auch spannend bis zum Schluss.

Die Protagonisten sind recht solide aufgebaut und haben in meinen Augen genau den richtigen Tiefgang. Was dem Autor gut gelingt, ist dem Leser auch die medizinisch-wissenschaftlichen Passagen verständlich näher zu bringen, ohne ihn zu langweilen. Obwohl Fiktion, klingt das Ganze auch für den Laien - oder vielleicht gerade für diesen - durchaus nachvollziehbar und glaubhaft. 
Ein weiterer guter Schachzug des Autors liegt sicher darin, den Leser in einen moralischen Zwiespalt zu bringen. So wird der Leser verführt mit einer der "bösen" Figuren zu sympathisieren und trotz all seiner Verbrechen mit ihm zu hoffen, dass es doch ein gutes Ende nimmt (mehr möchte ich hier lieber nicht verraten...)

So muss ich sagen, das Buch hat mir durchaus gefallen und eine Zeitverschwendung war es nicht. Unter einem "Page-Turner" verstehe ich allerdings etwas anderes....

FAZIT:
Für gute Durchschnitts-Lektüre gibt es von mir
*3½ Sterne*


Sonntag, 10. Februar 2013

Sabriye Tenberken: Mein siebtes Jahr - Die blinden Kinder von Tibet (Rezension)

Sabriye Tenberken - Mein siebtes Jahr
(Auflage vergriffen - neuer Titel (s.u.))

Genre:

Dokumentation

Kurzbeschreibung:

"Abenteuer im Himalaja
Sabriye Tenberken, selbst als junges Mädchen erblindet, gründete vor zehn Jahren in Tibet ein Zentrum für die blinden Kinder von Lhasa. Dort leben und lernen Tashi, Tendsin und all die anderen, die von ihren Familien aufgegeben wurden. In diesem Buch erzählt Sabriye Tenberken die berührenden Lebensgeschichten ihrer Schützlinge und berichtet von ihrem außergewöhnlichen Abenteuer: der dramatischen Besteigung des Siebentausenders Lhagpa Ri im Himalaja.
Ein Buch, das Mut macht und zeigt, dass es sich lohnt, die eigenen Gipfel zu bezwingen."
(Quelle: Verlags-Klappentext)

Taschenbuch, 288 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch Verlag (*)
ISBN: 3426780259

(*) Das Buch ist unter diesem Titel im Knaur Taschenbuch Verlag nicht mehr erhältlich. Es wird nun vertrieben vom Verlag Kiepenheuer & Witsch in der unter dem Titel "Mein siebtes Jahr - Von Tibet nach Indien" (gebundene Ausgabe / eBook / Audio-Buch-CD).

Über die Autorin:

"Sabriye Tenberken ist seit Geburt sehgeschädigt. Eine angeborene fortschreitende Netzhaut-Degeneration führte langsam zur Erblindung. Nach dem Abitur an der Blinden-Studien-Anstalt in Marburg, studierte sie an der Friedrich-Willhelms-Universität in Bonn Zentral-Asien-Wissenschaften, mit den Schwerpunkten "Tibet" und "Mongolei". Da sich zuvor noch kein Blinder an den Studiengang der Zentralasien-Wissenschaft gewagt hatte, konnte Sabriye Tenberken auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen und musste eigene Methoden zur Bewältigung des Studiums entwickeln. So entwickelte sie im Jahre 1992 die tibetische Blindenschrift, die es bis dahin noch nicht gab.

Im Sommer 1997 reiste sie erstmals ohne sehende Begleitung nach Tibet. Ihr Interesse galt im Besonderen den Lebensbedingungen blinder Menschen speziell im tibetisch-sprachigen Raum. 1998 gründete sie zusammen mit Paul Kronenberg die Organisation Braille Ohne Grenzen e.V. – Braille Without Borders. Sie eröffneten ein Rehabilitations- und Trainingszentrum in Lhasa und später die Trainingsfarm in Shigatse.

Seit 2008 lebt sie zusammen mit Paul Kronenberg in Indien (Kerala), wo beide das IISE-Institut (International Institute for Social Entrepreneurs) gründeten."
(Quelle: Braille without Borders)

Mein Fazit:

Mit "Mein siebtes Jahr" habe ich bereits das zweite Buch von Sabriye Tenberken gelesen. Nach der Lektüre von "Mein Weg führt nach Tibet - Die blinden Kinder von Lhasa" (Rezension HIER) blieb eine gewisse wohlwollende Nachdenklichkeit und der Wunsch, zu wissen, wie es mit den "ersten Kindern" von Lhasa weiterging. Genau damit beschäftigt sich hier beschriebene zweite Buch.

Vorab, der Titel und die Beschreibung des Buches sind ein bisschen irreführend, steht doch hiernach scheinbar das recht ehrgeizige Bergsteiger-Projekt im Mittelpunkt. So ist es auch und eben doch auch wieder nicht. Als ich das Buch bestellt habe war ich ein wenig skeptisch. Denn ich hatte die Befürchtung, das Buch könnte eine medienwirksame, effekthascherische Beschreibung genau dieses Bergsteiger-Projektes sein und die Geschichten und Schicksale der betroffenen Kinder würde dabei eher in den Hintergrund rücken. Glücklicherweise konnte ich schnell feststellen, dass meine Befürchtungen völlig unberechtigt waren. Auch in ihrem zweiten Buch schreibt die Autorin mit viel Gefühl, Wertschätzung und Respekt über die Schicksale der einzelnen Kinder ihrer Schule und auch über ihr eigenes Leben in Tibet, ihre Sorgen und Herausforderungen bei der Verwirklichung ihres Hilfsprojektes. 

Das ehrgeizige Vorhaben eines blinden Bergsteigers mit ebenso blinden Kindern einen Himalaja-Gipfel zu besteigen bildet hierbei die Rahmenhandlung, wirkt aber zu keiner Zeit sensationslüstern. Ein Filmteam begleitet das Projekt, ein Dokumentarfilm soll nicht nur das Projekt an sich, sondern auch die Lebensgeschichten der Kinder beleuchten. Geschickt und mit viel Feingefühl nutzt die Autorin Sabriye Tenberken die hierbei ans Licht kommenden Informationen, Berichte der Kinder zu ihren eigenen Schicksalen und Erlebnissen. In Form von Rückblicken und Erzählungen (auch aus Sicht der Kinder), bettet die Autorin deren Lebensgeschichten in die "Berichterstattung" über den Verlauf des Bergsteiger-Projektes ein, bei dem es um viel mehr geht, als "nur" die Besteigung eines Siebentausenders.

Wenngleich auch nicht ganz so gut wie das erste Buch, hat mir auch die Fortsetzung sehr gut gefallen, steht sie doch dem Vorgänger nur einen kleinen "Ticken" nach. Auch hier ist es der Autorin erneut gelungen, die Story interessant zu gestalten. Das Buch liest sich erneut fast schon wie ein Abenteuer-Roman, hinterlässt nicht im geringsten den Eindruck einer "trockenen Doku-Abhandlung", durch die es sich durchzuquälen gilt. Es liest sich flüssig, lässt immer wieder auch eine gewisse Spannung aufkommen, der Leser fühlt, lacht, freut und leidet mit den einzelnen Personen und ihren ganz persönlichen Geschichten. Sabriye Tenberken schafft es, ohne den erhobenen Zeigefinger, auf die schwierige Lage "ihrer" blinden Kinder und Blinder im Allgemeinen in Tibet aufmerksam zu machen, den Leser nachdenklich zu stimmen, ihn betroffen zu machen, ohne jedoch ein schales Gefühl bei ihm zu hinterlassen.

FAZIT:
Sicher für viele keine "Standard-Alltagslektüre", doch ich kann dieses Buch trotzdem nur jedem empfehlen!
*4 Sterne*

Bildquelle:

Der Film:

Der Film "Blindsight" ist das Produkt der oben beschriebenen Begleitung des Bergsteiger-Projektes durch ein Filmteam. Laut Cover-Beschreibung "ein intensiver, ungewöhnlicher Film über die Kraft von Freundschaft, Solidarität und Liebe. Er vermittelt uns, dass wir alle Ziele erreichen können, wenn wir den Weg gemeinsam gehen und an unsere innere Kraft glauben."

Die DVD habe ich bereits im Schrank, wenn ich sie angeschaut habe, gebe ich hier noch mal eine kleine Bewertung für euch ab.



Weitere Information:

Weitere Informationen zum Blindenprojekt in Lhasa, der Trainingsfarm in Shigatse sowie dem neuen Projekt in Kerala (Indien) finden sich auf den Seiten der Organisation "Förderkreis Blinden-Zentrum Tibet - Braille ohne Grenzen e.V." und "Braille without Borders".
Hier finden sich auch Beschreibungen und Bilder der Blindenschule.
Es besteht die Möglichkeit den Förderverein durch Mitgliedschaft und Spenden zu unterstützen.


(Quelle: KiWi-Verlag)
Die hier rezensierte Version des Buches ist vergriffen und wird vom Knaur-Verlag nicht mehr aufgelegt. Es ist nun im Verlag Kiepenheuer & Witsch erhältlich unter dem Titel "Das siebte Jahr - Von Tibet nach Indien".

Gebundene Ausgabe, 272 Seiten
ISBN: 3462036912
(auch als eBook & Audio-Buch-CD erhältlich)

Sonntag, 3. Februar 2013

DONN CORTEZ: Closer [Hörbuch-Rezension]



Aus meiner Reihe:
   >> Fundstücke aus dem Archiv <<



Quelle: audible.de
(ungek. Fass. exklusiv für audible-Abonnenten)

Genre:

Thriller


Kurzbeschreibung:

"Jack war ein aufstrebender Künstler - aber seit seine Familie einem brutalen Mord zum Opfer fiel, kennt er nur noch ein Ziel: Gerechtigkeit für alle, denen ein geliebter Mensch genommen wurde! 

Jack und seine Partnerin Nikki haben sich darauf spezialisiert, Killer aufzuspüren und sie zu einem Geständnis zu zwingen. Nikki übernimmt die Rolle des Lockvogels, Jack führt die Verhöre. Durch eins seiner Opfer erfährt er von einer geheimen Serienmörder-Community im Internet. Jack schleust sich dort ein, um ein Mitglied nach dem anderen auszuschalten. So stößt er auch auf einen Killer, der sich The Patron nennt - und kein anderer ist als der Mörder seiner Familie! 

Jack versucht, ruhig zu bleiben. Es geht ihm um Gerechtigkeit, nicht um Rache. Doch wer zu lange Bestien jagt, läuft Gefahr, selbst eine zu werden..."
(Quelle: Inhaltsangabe auf audible.de)

Hinweis:
Auf der audible-Homepage wird darauf hingewiesen, dass der Titel für Hörer unter 18 Jahren nicht geeignet sei.

Ungekürzte Hörbuchfassung
Sprecher: Martin Keßler
Laufzeit: 8h 57min
Erschienen bei Audible GmbH
Erhältlich als:
- Taschenbuch  (Knaur)
- gekürzte Hörbuchfassung (Audio-CD, MP3-CD & Download)
- ungekürzte Hörbüchfassung (Download)

Über den Autor:

Erschienen ist das Buch (und einige weitere) unter dem Namen Donn Cortez. In Wirklichkeit das Pseudonym des kanadischen Schriftstellers Don DeBrandt. Unter seinem Geburtsnamen verfasst der in Vancouver lebende Autor Horror- und Science Fiction-Romane. 
Als Donn Cortez hat er neben "Closer" bereits eine Reihe weiterer Romane veröffentlicht. Seit 2006 schreibt er außerdem Romane zur TV-Reihe "CSI: Miami.

Weitere Infos über den Autor finden sich auf seiner Homepage.

Über den Sprecher:

"Der Schauspieler Martin Kessler, geboren 1960 in Oberhausen, arbeitet als Synchronsprecher und Synchronregisseur sowie als Drehbuchautor. Man kennt ihn als die deutsche Stimme von Nicolas Cage und Vin Diesel. Der Hauptschwerpunkt seiner Arbeit liegt beim Synchron, gelegentlich arbeitet er für Theater- oder Fernsehproduktionen."  
(Quelle: audible.de)

Hörproben:

Zur Hörprobe bei audible.de geht es HIER.
Zur Hörprobe des Argon-Verlags geht es HIER.

Mein Fazit:

Nichts für schwache Nerven!!! Aber hörenswert!

Zugegeben, die Schilderungen der Gewalt und Folter sind drastisch, gipfeln in immer neuen, noch unerträglicheren Qualen. Hätte Cortez wirklich ein so plastisches Bild malen müssen? Sicher nicht, ich wäre mit weniger ausgekommen. 

Trotzdem.... das Thema ist reizvoll. Ist der „Gute“ doch schließlich auch ein Killer. Er tötet Menschen und schlimmer noch, er tut es auf bestialische Weise. Und doch, entgegen jeder Moral, fiebert der „hörende Leser“ bis zur letzten Sekunde mit ihm, bringt ihm alle Sympathien entgegen, sorgt sich um ihn.

So drastisch brutal die Story von Cortez auch sein mag, er versteht es, den Leser in diesen moralischen Zwiespalt zu bringen und das eigentlich Böse doch als das „Gute' zu empfinden... Selbstjustiz - vom Leser verständnisvoll gebilligt! In meinen Augen eine Leistung, die einem Autor erst einmal gelingen will - Donn Cortez jedenfalls hat dies geschafft.
Doch wie gesagt, das Buch ist nichts für schwache Nerven. Wer also eher auf seichte „Blümchenkrimis“ steht, sollte hiervon besser die Finger lassen.

Einen Kritikpunkt habe ich anzubringen. Die Handlung ist teilweise sehr verworren und besonders in den am Computer geführten Online-Dialogen sind einigen Stellen, gerade im Hörbuchformat, nur schwer zu verfolgen. Hier ist wirklich genaues Hinhören angesagt! 

Die Lesung ist wie ich finde hervorragend. Martin Kessler gelingt es nicht nur, den einzelnen Charakteren einen Wiedererkennungswert zu verleihen. Er schafft auch immer die passende situative Stimmung und verleiht den entsprechenden Emotionen den richtigen Ausdruck.

Trotz aller Grausamkeit, mir hat dieses Buch gefallen. Eine faszinierend moralische Zwickmühle und dabei spannend bis zum Schluss! Punktabzug gibt es trotzdem, für die teilweise doch unnötige Überdosis an Grausamkeiten.

FAZIT:
Hörenswert! Extrem grausam aber spannend mit faszinierend moralisch-unmoralischem Motiv.
*4 Sterne*