Zitat und Einführung


"Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen."
Friedrich Nietzsche

Samstag, 30. November 2013

NOAM SHPANCER: Der glücklose Therapeut [Rezension]


(Bildquelle: Eigenes Foto)

Genre:

Roman


Kurzbeschreibung:

"Auch Therapeuten können irren – der neue Roman von Noam Shpancer

Zu David Winter kommen Menschen, die in ihrem Leben in eine Sackgasse geraten sind. Sie erhoffen sich von dem Therapeuten, dass er ihnen den Weg zurück in die Normalität bahnt. Doch dann übernimmt er den Fall eines schwer depressiven Versicherungsangestellten und ist zum ersten Mal in seinem Berufsleben überfordert. Als auch seine Familie ihm immer mehr entgleitet, ringt er verzweifelt um Kontrolle - und begeht eine therapeutische Todsünde.

Noam Shpancer gelingt erneut ein kurzweiliger Einblick in die Arbeit und die Psyche eines Therapeuten. Fazit: Ein Psychologe kann zwar anderen helfen, aber nicht unbedingt sich selbst.
"   
(Quelle: Verlagstext Knaus Verlag)

Gebunden mit Schutzumschlag, 256 Seiten
Originaltitel: The Measure of Mercy
Erschienen im Knaus Verlag.

Über die Autorin:

"Noam Shpancer wurde 1959 in einem Kibbuz in der Nähe Jerusalems geboren. Er lebt heute in den USA, arbeitet als Professor für klinische Psychologie an der Otterbein University in Ohio und praktiziert außerdem als Therapeut. Sein erster Roman „Der gute Psychologe“ war ein internationaler Erfolg."
(Quelle: Autoren-Info Knaus Verlag)


Mein Fazit:

Hmmmmm....
Ja! Ein "Hmmmm..." trifft es wohl am ehesten. Ich bin mäßig begeistert bis eher enttäuscht. Dabei kann ich eigentlich gar nicht so recht sagen, was genau ich mir von dem Buch erwartet hatte. Auf jeden Fall aber irgendwie etwas anderes...

Aber vielleicht fange ich zunächst einmal mit dem Positiven an. Was mir an dem Buch gefallen hat, ist der angenehme und sehr flüssige Schreibstil des Autors. Zudem ist das Buch in viele kleine Kapitel gegliedert, was ich ebenfalls sehr angenehm fand. Durch den Stil und die kurzen Kapitel liest sich das Ganze einfach gut weg.

Damit erschöpfen sich die Lobpreisungen jedoch leider auch schon. Ansonsten hat mich das Buch so gar nicht überzeugt und nach der großen Ankündigung "Vom Autor des großen Bestsellers »Der gute Psychologe«" hatte ich mir deutlich mehr versprochen.

Vom Inhaltlichen her war die Geschichte des Psychologen und Psychotherapeuten David leider nicht sonderlich mitreißend. Mir fehlte einfach ein wenig der rote Faden und eine entsprechende Richtung. Das gesamte Buch hindurch fragte ich mich immer wieder, ob jetzt eigentlich auch noch etwas passiert und wo uns die Geschichte um David und seinen Patienten Barry denn nun noch hinführen soll. Besser gesagt, ob es uns überhaupt noch irgendwo hinführen wird. Dabei ist das Ganze dennoch nicht ganz uninteressant, denn irgendwas hat mich ja dazu bewegt, trotzdem weiter zu lesen. Doch die Handlung plätschert eben einfach so dahin, ohne wirklich mitzureißen.

Auch bezüglich der Stimmung des Buches kann man wahrscheinlich geteilter Meinung sein. Zu Anfang dachte ich noch: ´Hey, das macht der Autor aber gar nicht schlecht...` Insgesamt bringt er die Stimmung seines Protagonisten gut rüber, so dass der Leser die leicht melancholisch-resignative Grundstimmung mit einem deutlich depressiven Touch gut mitzuerleben vermag. Doch um ehrlich zu sein, bleibt diese leicht depressive Grundstimmung eben auch über das gesamte Buch hinweg, mal mehr, mal weniger intensiv, erhalten und beginnt so schon bald eher etwas zu nerven statt zu faszinieren.

Was das Fachliche angeht, so bin ich auch hier etwas zwiegespalten. Da ich ja selber Psychologe und obendrein angehender Psychotherapeut bin, interessierte mich das Buch natürlich auch aus dieser Perspektive sehr. So sind die Schilderungen aus Sicht eines Therapeuten  für mich natürlich interessant. Auch wenn ich hier mit der fachlichen Ebene nicht an allen Stellen mitgehen konnte. Aber hierzu muss man wohl einfach berücksichtigen, dass die amerikanische Psychologie und Psychotherapie eben auf manchen Ebenen doch ein wenig anders funktioniert als hier bei uns.
Dennoch, wenngleich die psychologischen Erläuterungen stellenweise auch mal ganz interessant waren, machten sie das Ganze trotzdem oft recht langatmig. Hier wäre weniger sicher mehr gewesen.

Zu guter Letzt war dann leider auch das Ende des Buches in meinen Augen recht unbefriedigend. Natürlich möchte ich nicht viel verraten, aber vielleicht so viel: Nachdem ich mich nun Seite um Seite durch eine Geschichte gekämpft habe, bei der ich mir die ganze Zeit die Frage gestellt habe, wo das wohl noch hinführen mag, hätte ich mir schon wenigstens erhofft zu erfahren, wie es denn nun letzten Endes für alle Beteiligten ausgeht. Das Ende kam dann aber eher plötzlich, um nicht zu sagen abrupt, war ziemlich knapp gehalten und obendrein bleibt der letzte Ausgang für den Leser offen und somit seiner Fantasie überlassen.

Ob ich nun trotzdem den Vorgänger des Autors, den viel gepriesenen Bestseller »Der gute Psychologe« noch lesen werde? Tja, da bin ich mir noch unsicher. Nach dieser Erfahrung mit dem Autor  tendiere ich zur Zeit allerdings eher zu einem "Nein".

FAZIT:
Mich hat es nicht überzeugt. Für den angenehmen Stil und die Tatsache, dass mich trotzdem irgendwas dazu bewegt hat, weiter zu lesen, von mir noch SEHR gut gemeinte
*2½ Sterne*.

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